Meine Samstagnachmittag Tour führt mich in den kleinen Ort Liessel in den Niederlanden. Hier besuche ich einen Familienbetrieb der bereits seit 30 Jahren Valtra Vertriebspartner ist. Zum Vergleich, die Markteinführung Valtra`s in Deutschland war erst Anfang der 90er Jahre, also gerade mal vor 20 Jahre. Die Erfahrungen der Familie Leender mit den Traktoren aus Finnland ist damit deutlich länger als unsere in Deutschland.

Die Kirche in LiesselObwohl es bereits Wochenende ist, steht das Werkstatttor weit offen und es wird noch gearbeitet. Jedoch nicht für Kunden, sondern für das eigene Hobby. Ein Oldtimer Trecker wird restauriert. Mit einer Flamme aus einem Brenner und Richtwerkzeugen wird der schwere Hinterradkotflügel des Boliden gerichtet. Ein wichtiger Grund meines Besuches ist die Recherche nach Ersatzteilen für meinem Valmet 565 aus dem Jahre 1966.
Nachdem ich mich kurz vorgestellt habe, bekomme ich von den beiden Unternehmern Vater und Sohn eine Betriebsführung. An diesem einen Standort sind zwei Unternehmen ansässig. Senior Piet Leenders führt die Firma L.M.B. P. Leenders v.o.f mit dem Verkauf von neuen und gebrauchten Valtra Traktoren. Sein Sohn Dries Leenders spezialisiert sich mit Leemac-Parts auf dem Verkauf von gebrauchten Ersatzteilen für Valmet / Valtra und Volo BM Traktoren.
Die Traktoren werden dazu systematisch auseinander gebaut und die Ersatzteile komplett überholt. In zwei großen Hallen befindet sich ein modernes Lagersystem auf drei Ebenen, das den Eindruck erweckt neue Teile werden hier eingelagert und verkauft. Während große Teile wie Motoren, Getriebe und Achsen auf Holzpaletten lagern, sind die kleineren Teile in Klarsichthüllen verpackt und mit den originalen Teilenumme versehen. Mit dem Verkauf im Lagersystem sind 6 fest eingestellte Mitarbeiter beschäftigt und wie mir Dries Leenders versichert hat der Tag 10 Stunden zu wenig. Soviel Arbeit steckt in der Suche für den Ankauf von verunfallten oder ausgebrannten Traktoren aus der ganzen Welt die für eine Ausschlachtung geeignet sind.
Für meinen Valmet war ich auf der Suche nach einem Startschalter für den Motor. Der war leider nicht dabei. Aber man versichterte mir, daß man diesen Schalter auf jedenfall über das persönliche Netzwerk von Valmet-Sammlern für mich finden können. Da bin ich mal gespannt. Denn in Deutschland brauche ich nicht danach suchen, denn dieses Trecker wurde bei uns nie importiert.
Im Anschluss an meinem Besuch bei dem Händler, wo noch eine Valmet / Valtra Fahne wie aus einer längst vergangenen Zeit weht, fahre ich in den Ort Liessel.

Windmühle vom MüllerIm Ortskern steht eine Windmühle die mein Interesse weckt. Deiche und Windmühlen prägen das Landschaftsbild. Der Westen dieses Landes liegt unterhalb des Meeresspiegel der Nordsee und konnte nur mit harter Arbeit dem Wasser abgerungen werden. Und so entstand der Satz „Gott hat die Welt geschaffen und die Niederländer Holland.“ Das erklärt auch den Stolz der rund 16.680.000 Niederländer in einem Land mit einer Fläche von 41.528 km² für ihre historischen Bauwerke. Die Mühle hat einen eigenen Parkplatz und die Tür der Mühle steht offen. Durch einen Rundbogen betrete ich einen runden Raum mit vielen historischen Werkzeugen aus Handwerk und Landwirtschaft die sicher 100 Jahre und älter sind. An der Wand hängt ein Schild mit den Namen der Müller die hier seit 1903 gearbeitet haben. Eine steile Treppe aus Holz, die man wohl besser als Leiter bezeichnen kann, führt zu einem Holzboden 3 Meter über mir. Von der Decke neben dieser Treppe hängt ein Seil an dessen Ende ein kleines Holzschild mit der Aufschrift „bellen“ hängt. Das Seil ziehe ich nach unten und setzte so eine Glocke unterhalb der Decke in Bewegung. Das Geläute nennen die Holländer also bellen….
MühlensteinAn die Luke in der Decke tritt ein Mann im Müllerkittel und bittet mich nach oben zu kommen. Seiner Einladung folge ich und betrete einen Raum mit gefühlten 1000 verschiedenen Postkarten aus mehr als 100 Jahren die nur ein Motiv kennen „Windmühlen“. In dem Raum mit Zeitgeschichte sind nur die weißen Wände aus Mauerwerk und alles andere aus uraltem Holz. Drei Müller sitzen hier an einem uralten Holztisch und trinken Flaschenbier einer mir unbekannten Brauerei. Das Etikett auf den Flaschen verrät jedoch das es eine Traditionsmarke sein muss.
Der jüngere der drei Müller spricht gut deutsch und wies mich an, über weitere Leitern zwei Stockwerke höher bis unter das Dach der Mühle zu klettern.
Oben angekommen stehen wir vor einem großen Zahnrad an der Wand. Über die vier Windflügel außen kommt die Windkraft über dieses Zahnrad mit einem Durchmesser von rund 2,5 Meter in die Mühle. Hier beginnt die Führung des Müllers durch das Museum in dem noch immer Mehl gemahlen wird. Die Instandsetzung und der Erhalt dieser Mühle kostet dem Steuerzahler in den Niederlanden rund 15.000 Euro im Jahr. Dafür ist der Eintritt und die Führung kostenlos. Im ganzen Land gibt es noch knapp 1.000 Windmühlen und rund 200 Wassermühlen. Mehl MühleDie Führung in dieser Mühle ist sehr aufschlussreich und zeigt die Arbeitsweise eines alten Handwerkes. Wir gehen ein Stockwerk tiefer wo das Mehl gemahlen wird. Das erinnert mich an das Lied „A Whiter Shade of Pale“ von Procol Harum. Bisher hatte ich immer die Vorstellung in dem Stück geht es um eine Party mit einer bleich blassen Frau und einem Drogendealer….. Hier in der Mühle bekommt der Song eine ganze neue Bedeutung. Die Zeit scheint hier still zu stehen wie bei der Melodie von Johann Sebastian Bach Air so auch in A Whiter Shade of Pale.
Im Text heißt es „turned cartwheels cross the floor“ hier sind wirklich Wagengroße Räder die sich im diesen Raum drehen. Oder „The room was humming harder, as the ceiling flew away“ Getriebe in der Mühlein der Tat das Getöse im Raum nimmt zu wenn sich an der Zimmerdecke die Flüge wegdrehen. Dann „When we called out for another drink, the waiter brought a tray“, die drei Müller mit dem Bier? Oder „And so it was that later as the miller told his tale„ klar, der Müller hat mir alles über die Geschichte der Mühle erzählt….. Wie auch „turned a whiter shade of pale“. In die Mühle findet nur wenig Sonnenlicht hinein und dann die Arbeit mit dem Mehl. Das Gesicht des Müllers wird blasser und bleicher….. „and the truth is plain to see.“ Tja, so liegt die Wahrheit auf der Hand. „But I wandered through my playing cards“ erklärt die vielen Karten an den Wänden. Der Satz „that my anger straightway died“ Meinen Stress Arbeitstag hatte ich auch hinter mit gelassen, wie tot.

Opel Blitz

Dann schaue ich mich noch im Ort etwas um. Die Kirche ist für eine Gemeinde mit nur 3234 Einwohnern erstaunlich groß. Über die erfahre ich nicht viel, dafür besuche ich ein Museum. Im Jahr 1312 erhielt der Ort dem Namen „Liessel“. Die Bürger feiern in diesem Jahr „700 jaar historie“. Eine Kopie des Dokumentes von 1312 wird im Museum zusammen mit vielen anderen Dokumenten, Bilder und Fotos der letzten 700 Jahren ausgestellt. Auch hier erhielt ich eine kostenlose Führung.

Opel GTÜberhaupt scheint der Ort ein kleines Museum zu sein. Oder hatte ich etwa eine Zeitreise wie „Marty McFly“ in „Zurück in die Zukunft“. Denn auf der Straße waren viele Autos und Traktoren aus den 50er Jahren unterwegs.